Die Wahl des Content-Management-Systems ist eine Zehn-Jahres-Entscheidung. Sie bestimmt, wer die Website pflegen kann, was Erweiterungen kosten, wie leicht sich Redakteure einarbeiten – und wie schwer ein späterer Wechsel fällt. Trotzdem wird sie oft nebenbei getroffen: „Wir nehmen, was die Agentur kennt.”
Dieser Vergleich ordnet die drei bekanntesten Open-Source-Systeme im deutschsprachigen Raum ein – WordPress, TYPO3 und Joomla – und beantwortet die eigentliche Frage: Welches System passt zu welchem Projekt?
Die Marktlage 2026
Marktanteile der Content-Management-Systeme
Anteil an allen Websites mit erkennbarem CMS, weltweit, 2026
TYPO3 ist ein Sonderfall: Weltweit rund 1 %, im DACH-Raum aber etwa 3 % Marktanteil und fest etabliert bei Behörden, Hochschulen und größeren Mittelständlern.
Quelle: W3Techs, Marktanteile Content-Management-Systeme, Stand 2026.
Marktanteil ist kein Qualitätsurteil – aber er hat praktische Folgen: Verfügbarkeit von Entwicklern, Auswahl an Erweiterungen, Geschwindigkeit von Sicherheitsupdates und die Wahrscheinlichkeit, in fünf Jahren noch jemanden zu finden, der das System betreut.
Die drei Systeme im Porträt
WordPress: der flexible Standard
Ursprünglich ein Blogsystem, heute die Basis von Unternehmenswebsites bis Onlineshops. Die Stärken: riesiges Ökosystem, jeder Redakteur findet sich schnell zurecht, praktisch jede Funktion existiert als Erweiterung, Entwickler sind überall verfügbar. Die Schwäche ist die Kehrseite: Qualität und Sicherheit hängen stark davon ab, wie WordPress aufgesetzt wird. Ein wild zusammengeklicktes Plugin-Sammelsurium ist wartungsintensiv und angreifbar; eine kuratierte Installation mit gepflegten Erweiterungen läuft jahrelang stabil. Der Unterschied liegt nicht im System, sondern in der Disziplin der Umsetzung.
TYPO3: das Enterprise-System aus dem DACH-Raum
TYPO3 spielt seine Stärken aus, wenn Struktur wichtiger ist als Tempo: fein granulare Rechte und Freigabe-Workflows, Mehrsprachigkeit und Multi-Site-Betrieb ab Werk, Language-Fallbacks, revisionssichere Prozesse. Dafür ist es in Aufbau und Pflege deutlich aufwendiger – TYPO3-Projekte beginnen selten unter 15.000 Euro, und die Zahl verfügbarer Spezialisten ist überschaubarer. Für Konzerne, Verwaltungen und Hochschulen oft die richtige Wahl; für ein KMU mit zehnseitiger Website meist überdimensioniert.
Joomla: solide, aber schrumpfend
Joomla liegt funktional zwischen den beiden – mächtiger als WordPress ab Werk, zugänglicher als TYPO3. Das Problem ist die Richtung: Der Marktanteil sinkt seit Jahren, Agenturen und Erweiterungsentwickler ziehen sich zurück. Für Bestandsprojekte kein Grund zur Panik; für Neuprojekte fällt uns kaum noch ein Szenario ein, in dem Joomla die beste Antwort wäre. Bestehende Joomla-Sites migrieren wir am häufigsten zu WordPress.
Der direkte Vergleich
| WordPress | TYPO3 | Joomla | |
|---|---|---|---|
| Typisches Projekt | Unternehmenswebsite, Blog, kleiner Shop | Konzern, Behörde, Hochschule, Portal | Bestandsprojekte, Vereine |
| Projektkosten (Ersteinrichtung) | 2.500 – 12.000 € | ab 15.000 € | 3.000 – 10.000 € |
| Redaktion / Einarbeitung | sehr leicht | Schulung nötig | mittel |
| Rechte & Workflows | per Erweiterung | ab Werk, sehr fein | grundlegend vorhanden |
| Mehrsprachigkeit | per Erweiterung (z. B. WPML) | ab Werk | ab Werk |
| Erweiterungs-Ökosystem | riesig | kuratiert, kleiner | schrumpfend |
| Entwickler-Verfügbarkeit | sehr hoch | begrenzt | sinkend |
| Update-Aufwand | regelmäßig, gut automatisierbar | planbar, LTS-Versionen | regelmäßig |
Gesamtkosten über 5 Jahre: die ehrliche Rechnung
Lizenzkosten fallen bei allen drei Systemen nicht an – Open Source ist kostenlos. Die echten Kosten stecken in Aufbau, Pflege und Weiterentwicklung:
| Kostenblock (5 Jahre) | WordPress | TYPO3 | Joomla |
|---|---|---|---|
| Ersteinrichtung | 2.500 – 12.000 € | 15.000 – 40.000 € | 3.000 – 10.000 € |
| Wartung & Updates p. a. | 400 – 1.200 € | 1.500 – 4.000 € | 600 – 1.500 € |
| Premium-Erweiterungen p. a. | 100 – 400 € | meist 0 (Agenturleistung) | 50 – 300 € |
| Typische Weiterentwicklung p. a. | 500 – 2.000 € | 2.000 – 6.000 € | 500 – 1.500 € |
| Summe 5 Jahre (Mittelwert) | ≈ 12.000 € | ≈ 45.000 € | ≈ 13.000 € |
Bemerkenswert: Joomla ist kaum günstiger als WordPress – bei schrumpfendem Ökosystem. Und TYPO3 kostet nicht wegen des Systems das Dreifache, sondern weil TYPO3-Projekte typischerweise Organisationen mit komplexeren Anforderungen sind. Wer diese Anforderungen nicht hat, kauft mit TYPO3 Verwaltungsaufwand ohne Gegenwert.
Sicherheit: das meistmissverstandene Kriterium
„WordPress wird doch ständig gehackt” – der Satz stimmt statistisch und führt trotzdem in die Irre. WordPress stellt über 60 Prozent aller CMS-Websites und zieht damit naturgemäß die meisten automatisierten Angriffe an. Entscheidend ist die Angriffsfläche der einzelnen Installation:
- 90 % der erfolgreichen Angriffe treffen veraltete Plugins, Themes oder Core-Versionen – nicht aktuelles WordPress selbst.
- Die Gegenmittel sind Routine: zeitnahe Updates, kuratierte statt gesammelte Plugins, Zwei-Faktor-Anmeldung, eine Web Application Firewall und tägliche Backups.
- TYPO3 profitiert von Seltenheit und LTS-Disziplin – weniger automatisierte Angriffe, planbare Sicherheitszyklen. Das ist ein realer Vorteil, ersetzt aber ebenfalls keine Pflege.
- Joomlas Risiko ist indirekt: schrumpfende Erweiterungspflege bedeutet länger offene Lücken in Drittanbieter-Code.
Migration: so läuft ein Systemwechsel konkret
Am häufigsten begleiten wir den Weg Joomla → WordPress. Der Ablauf in fünf Schritten – er gilt sinngemäß für jeden CMS-Wechsel:
- Inventur: alle Inhalte, URLs, Rankings und Sonderfunktionen erfassen – die Grundlage für alles Weitere.
- Struktur-Mapping: Kategorien, Menüs und URL-Logik ins Zielsystem übersetzen; jede alte URL bekommt ein definiertes neues Ziel.
- Inhalte migrieren: Beiträge und Bilder per Import-Werkzeug, Seiten mit Layout-Anspruch manuell nachbauen – Automatik erzeugt hier nur Nacharbeit.
- Funktionen ersetzen: Formulare, Galerien, Mehrsprachigkeit im Ziel-Ökosystem neu aufsetzen statt 1:1 nachbauen – oft ist die WordPress-Lösung schlanker.
- 301-Weiterleitungen + Livegang: das komplette Mapping aktiv schalten und vier Wochen überwachen. Wie das im Detail geht, zeigt unsere Relaunch-Checkliste.
Realistischer Rahmen für eine mittlere Website: 3.000 – 8.000 Euro inklusive Weiterleitungskonzept. Der Betrag relativiert sich, wenn man ihn gegen die jährliche Mehrbelastung eines sterbenden Ökosystems rechnet.
Entscheidungshilfe in vier Fragen
- Wer pflegt die Inhalte? Ein kleines Team ohne IT-Abteilung → WordPress. Eine Redaktion mit Freigabeprozessen über mehrere Abteilungen → TYPO3.
- Wie viele Sprachen und Länder? Ein bis drei Sprachen → WordPress mit WPML. Zehn Sprachen mit Fallback-Logik und Länder-Domains → TYPO3.
- Welches Budget ist realistisch? Unter 15.000 Euro führt an WordPress selten ein Weg vorbei – und das ist keine Notlösung, sondern für die meisten Anforderungen schlicht das passende Werkzeug.
- Wie sieht der Plan in fünf Jahren aus? Wer Relaunches, Betreiberwechsel und Erweiterungen erwartet, wählt das System, für das er auch dann noch Dienstleister findet.
Unsere Position: Wir setzen bewusst auf WordPress – nicht weil es das einzige gute System ist, sondern weil es für Unternehmenswebsites im Mittelstand das beste Verhältnis aus Kosten, Pflegbarkeit und Zukunftssicherheit bietet. Wo TYPO3 die bessere Antwort ist, sagen wir das im Erstgespräch.
Häufige Fragen
Ist WordPress sicher genug für Unternehmenswebsites?
Ja – wenn es professionell betrieben wird. Die meisten erfolgreichen Angriffe treffen veraltete Installationen mit ungepflegten Plugins. Mit kuratierten Erweiterungen, zeitnahen Updates und einer Web Application Firewall ist WordPress auf dem Sicherheitsniveau jedes anderen gepflegten Systems.
Wann lohnt sich TYPO3 wirklich?
Wenn organisatorische Anforderungen im Vordergrund stehen: viele Redakteure mit abgestuften Rechten, Freigabe-Workflows, umfangreiche Mehrsprachigkeit, Multi-Site-Betrieb. Dann rechtfertigt der Mehraufwand sich schnell. Für Design und SEO ist TYPO3 nicht besser oder schlechter als WordPress – entscheidend ist die Umsetzung.
Sollte ich von Joomla wechseln?
Kein akuter Zwang, solange Ihre Website gepflegt wird und läuft. Aber beim nächsten größeren Schritt – Relaunch, Redesign, neue Funktionen – lohnt der Wechsel fast immer, weil Sie damit auf ein wachsendes statt schrumpfendes Ökosystem setzen. Inhalte lassen sich sauber migrieren.
Was ist mit Baukästen wie Wix oder Jimdo?
Eine andere Kategorie: gemietete Plattformen statt eigener Software. Für Kleinstprojekte legitim, für wachsende Unternehmen wegen Design-Grenzen und fehlender Umzugsmöglichkeit meist eine Sackgasse. Den ausführlichen Vergleich ziehen wir im Beitrag Homepage-Baukasten oder Agentur.
Kann ich später das CMS wechseln?
Inhalte ja, Aufbau nein: Texte und Bilder lassen sich exportieren, Design, Struktur und Funktionen müssen im neuen System neu gebaut werden. Ein CMS-Wechsel ist deshalb praktisch immer ein Relaunch – ein Grund mehr, die Entscheidung am Anfang gründlich zu treffen.
Passend dazu: WordPress Agentur · WordPress Agentur München · WordPress Agentur Berlin · WordPress Agentur Frankfurt · Was kostet eine Website?
Quellen: Marktanteile: W3Techs – Usage statistics of content management systems (w3techs.com), Stand 2026; DACH-Einordnung TYPO3: Branchenanalysen 2026. Preisspannen: envyo-Kosten-Ratgeber (verlinkt).
