Homepage-Baukasten oder Agentur? Der ehrliche Vergleich

Wix & Co. gegen Agentur-Website: die 5-Jahres-Rechnung, die Grenzen des Baukastens und für wen welcher Weg passt – ohne Verkaufsdruck.

Steckbausteine formen ein kleines Haus neben einer Architektenzeichnung mit ZeichenwerkzeugKI-generiert

Wix, Jimdo, Squarespace und Co. versprechen die Website „in wenigen Minuten, ohne Vorkenntnisse”. Agenturen sprechen von Konzept, Positionierung und Maßarbeit. Dazwischen steht ein Unternehmer mit einer einfachen Frage: Was davon brauche ich wirklich – und was kostet mich am Ende welcher Weg?

Die ehrliche Antwort vorweg: Beide Wege haben ihren berechtigten Platz. Dieser Vergleich zeigt, wo die Grenze verläuft – mit einer Rechnung über fünf Jahre, die anders ausfällt, als die Werbepreise vermuten lassen.

Der wahre Kostenvergleich: fünf Jahre statt erster Monat

Gesamtkosten über 5 Jahre

Baukasten-Abo vs. Agentur-Website inkl. Betrieb – typische Spannen, 2026

Baukasten (Basis-Tarif)
600 – 1.500 €
Baukasten (Business-Tarif)
1.500 – 3.600 €
Baukasten + zugekaufte Hilfe
3.000 – 7.000 €
Agentur-Website (WordPress)
6.000 – 16.500 €
0 €5.000 €10.000 €15.000 €

Agentur-Rechnung: 4.000–12.000 € Erstellung + 400–900 €/Jahr Betrieb. „Baukasten + Hilfe” ist der häufig übersehene Mittelweg: Abo plus bezahlte Einrichtung, Texte oder Pflege durch Dritte.

Quelle: Anbieter-Preislisten und Branchenerhebungen 2026; Details im envyo-Kosten-Ratgeber.

Der Abstand ist real – aber kleiner, als der Blick auf „ab 12 € im Monat” suggeriert. Und er kauft etwas Konkretes: Zeit, Individualität und Eigentum. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „Was ist billiger?”, sondern „Was kostet mich das Ergebnis – inklusive meiner eigenen Arbeitszeit und dem, was die Website einbringen soll?”

Was der Baukasten gut kann – und wo er endet

  • Stark: schneller Start, keine Technik-Verantwortung, kalkulierbare Monatskosten, ordentliche Vorlagen für Standardfälle.
  • Ausreichend: Basis-SEO (Titel, Beschreibungen, saubere Auslieferung) – für lokale Nischen mit wenig Wettbewerb kann das genügen.
  • Grenzwertig: Individualität (die Vorlage bleibt erkennbar), strukturierte Daten, Ladezeit-Feintuning, Mehrsprachigkeit, Barrierefreiheit nach BFSG in der Tiefe.
  • Hart begrenzt: Eigentum und Umzug. Die Website lebt auf gemieteter Plattform – wer geht, nimmt Texte und Bilder mit, aber nicht die Website. Der „Umzug” ist ein Neubau.

Das teuerste Szenario ist nicht der Baukasten und nicht die Agentur – es ist der Wechsel nach zwei Jahren: erst Abo plus eigene Abende, dann doch der Neubau, und die mühsam aufgebauten Rankings der Baukasten-Domain ziehen nur teilweise mit um. Wer absehbar wachsen will, spart mit dem direkten Weg zur eigenen Website zweimal.

Die Anbieter im Kurzprofil (Stand 2026)

Anbieter Monatspreis (brauchbare Tarife) Stärke Größte Grenze
Wix ca. 12 – 36 € größter Funktionsumfang, viele Vorlagen Vorlage nach Start nicht wechselbar; Ballast im Code
Jimdo ca. 9 – 39 € einfach, deutscher Anbieter & Support spürbar enger bei Design und SEO-Feinheiten
Squarespace ca. 17 – 49 € stärkste Ästhetik ab Werk wenig Spielraum jenseits der Vorlagen; Englisch-lastig
IONOS MyWebsite ca. 10 – 30 € Hosting-Bündel, Telefon-Support Design-Niveau und Flexibilität am unteren Ende
Preise gerundet, Stand August 2026 – Aktionspreise im ersten Jahr täuschen häufig über die Folgekosten hinweg.

Auffällig bei allen vieren: Die beworbenen Einstiegspreise gelten meist nur im ersten Jahr und ohne die Funktionen, die man wirklich braucht (eigene Domain, werbefreie Seite, Statistiken). Der realistische Vergleichspreis ist der Verlängerungspreis des zweitgrößten Tarifs.

Die SEO-Grenzen im Detail

„Baukästen können heute auch SEO” stimmt auf Checklisten-Niveau – Titel, Beschreibungen, Weiterleitungen gehen überall. Die Unterschiede stecken eine Ebene tiefer:

  • Ladezeit-Feintuning: Render-blockierende Skripte, Bildformate, Code-Ballast – im Baukasten nicht beeinflussbar. Gegen eine optimierte Seite verliert man die Performance-Signale strukturell.
  • Strukturierte Daten: mehr als das Standard-Set (FAQ, LocalBusiness in der Tiefe, Artikel) ist selten oder nur über Umwege möglich.
  • Informationsarchitektur: Landingpage-Systeme mit sauberen URL-Logiken, Kategorien und Filterseiten stoßen schnell an Plattformgrenzen.
  • Skalierender Content: 50 Blogartikel mit Vorlagen, interner Verlinkung und Schema pflegen – im Baukasten Handarbeit, in WordPress Systemfunktion.

Kurz: Für „gefunden werden, wenn jemand den Namen sucht” reicht jeder Baukasten. Für „gefunden werden, wenn jemand das Problem sucht” – also das, was Kunden bringt – braucht es die Hebel, die Plattformen versperren.

Entscheidungshilfe: Welcher Weg passt zu wem?

Situation Empfehlung
Nebenprojekt, Idee testen, Budget unter 1.000 € Baukasten – bewusst als Provisorium
Verein, privates Projekt, reine Infoseite Baukasten oder einfache WordPress-Site
Lokales Unternehmen, Kundengewinnung über Google geplant Agentur-Website – Sichtbarkeit ist hier der Engpass
Beratung, Praxis, Kanzlei mit Vertrauensaufbau Agentur-Website mit individueller Positionierung
Wachstum, Blog, Landingpages, Mehrsprachigkeit absehbar WordPress von Anfang an – Baukasten wird zur Sackgasse
Onlineshop mit ernsthaftem Sortiment Shopsystem/Agentur – Baukasten-Shops enden früh
Faustregeln aus der Beratungspraxis – Grenzfälle gehören ins Gespräch.

Der Umzug vom Baukasten: so läuft er wirklich

  1. Inhalte sichern: Texte und Originalbilder exportieren bzw. einsammeln – Layouts lassen sich nicht mitnehmen, Inhalte schon.
  2. Alte URLs erfassen: jede indexierte Baukasten-URL notieren (Google-Suche „site:ihredomain.de” hilft) – sie sind Ihr Weiterleitungs-Rohstoff.
  3. Neue Website parallel aufbauen und erst nach Abnahme die Domain umziehen – so entsteht keine Lücke.
  4. Domain & Weiterleitungen: Domain zum neuen Hosting umziehen, alte Pfade per 301 auf die neuen Seiten mappen. Liegt die Domain beim Baukasten-Anbieter, den Transfer früh anstoßen – das dauert gern zwei Wochen.
  5. Nachsorge wie beim Relaunch: vier Wochen Search-Console-Blick auf 404er und Indexierung – die komplette Relaunch-Checkliste haben wir separat zusammengestellt.

Realistischer Aufwand für den Umzug einer typischen Baukasten-Website in eine professionelle WordPress-Struktur: 1.500 – 4.000 Euro zusätzlich zum normalen Projektpreis – je nachdem, wie viele Inhalte übernommen und wie viele URLs gemappt werden müssen.

Die dritte Option: klein starten, richtig starten

Zwischen „48-Euro-Jahr” und „Zwölftausend-Euro-Projekt” liegt ein vernünftiger Mittelweg, den wir häufig für Gründer umsetzen: eine schlanke, professionell gebaute WordPress-Website mit wenigen Seiten – sauber strukturiert, erweiterbar, im eigenen Besitz. Sie kostet einen Bruchteil des Vollausbaus und wächst mit, statt ersetzt zu werden. Was so ein Einstieg kostet, steht im Kosten-Ratgeber; für wen er gedacht ist, auf unseren Seiten für Gründer und kleine Unternehmen.

Häufige Fragen

Kann eine Baukasten-Website bei Google ranken?

Grundsätzlich ja – Google bewertet Inhalte, nicht Baukästen. In Nischen mit wenig Wettbewerb reicht das oft. In umkämpften Märkten fehlen aber die Feinhebel: Ladezeit-Optimierung, strukturierte Daten, gezielte Seitenarchitektur. Dort verliert die Vorlage gegen die Maßarbeit.

Gehört mir meine Baukasten-Website?

Ihnen gehören Inhalte und – sofern extern registriert – die Domain. Die Website selbst existiert nur auf der Plattform des Anbieters: Design, Aufbau und Funktionen lassen sich nicht exportieren. Bei Kündigung bleibt ein Ordner mit Texten und Bildern, keine Website.

Was übersehen Baukasten-Nutzer am häufigsten?

Die eigene Arbeitszeit. Zwanzig, dreißig Abende für Einrichtung, Texte und Frickelei sind real – zum eigenen Stundenwert gerechnet übersteigt das schnell den Agenturpreis einer kleinen Website. Und: Impressum, Datenschutz und Barrierefreiheit bleiben in Eigenverantwortung.

Lohnt sich der Wechsel vom Baukasten zur Agentur-Website?

Sobald die Website Kunden bringen soll und der Markt umkämpft ist: ja. Wichtig ist ein sauberer Umzug – Inhalte übernehmen, URL-Struktur abbilden, Weiterleitungen setzen, damit vorhandene Sichtbarkeit nicht verloren geht. Wie das geht, beschreibt unsere Relaunch-Checkliste.

Gibt es Fälle, in denen ihr selbst zum Baukasten ratet?

Ja: Testphasen, sehr kleine Budgets, kurzlebige Projekte, private Seiten. Eine ehrliche Beratung erkennt man daran, dass sie auch mal vom eigenen Angebot abrät – und den Zeitpunkt nennt, ab dem der Wechsel sinnvoll wird.

Passend dazu: Was kostet eine Website? · Webdesign für Gründer · Webdesign für KMU · Webdesign für Startups · Website-Relaunch-Checkliste